Nestlé habe seine Fan-Seite bei Facebook eingestellt, heißt es kurz und knapp in einer Mail, die mich am frühen Morgen erreicht.
Stimmt, stelle ich wenig später fest. Die Seite mit den rund 700.000 Fans existiert nicht mehr. Dort, wo noch vor kurzem Loblieder auf den Kitkat-Riegel gesungen wurden, klafft inzwischen eine digitale Lücke. Über Nacht hat da offenbar jemand den Stecker gezogen, fühlte sich vielleicht auf einmal zu exponiert in der Öffentlichkeit. Doch deswegen gleich die eigenen Kunden rüde vor die Tür setzen, das ist schon arg und im Zeitalter des Web2.0 meines Wissens beispiellos.
Screenshot der Kitkat-Fanseite auf Facebook
Es erstaunt mich, dass ein Konzern lieber die direkte Kommunikation zu 700.000 Kunden abbricht als sich mit der Kritik an seiner Einkaufspolitik bezüglich Palmöl auseinanderzusetzen. Warum nimmt Nestlé die Krise nicht als Chance wahr und stellt die Produktion von Kitkat um, so dass nur noch nachhaltig angebautes Palmöl verwendet wird?, fragt denn auch zu Recht die Netz-Gemeinschaft und die Diskussion geht munter weiter.
Inzwischen greifen auch traditionelle Medien die Geschichte auf und berichten über Kitkat, Greenpeace und Palmöl.
Hier und da schafft es die PR-Abteilung von Nestlé sogar, dass ihre grüngewaschenen Zertifikate erwähnt werden. Und gelegentlich findet sich auch der PR-Hinweis der KitKater, dass direkte Verträge zu Produzenten in Indonesien bereits gekündigt seien.
Doch in der Summe wird auch in den traditionellen Medien deutlich: Nestlé bezieht das Gros seines Palmöls indirekt über Zwischenhändler und aus Urwaldzerstörung. Und solange dies so ist, wird es im Netz noch einiges an Diskussionsstoff geben.
Welche Auswirkungen eine Einkaufspolitik, wie die von Nestlé hat, konnte ich selbst 2007 erleben. Zwei Wochen lang war ich im Greenpeace-Urwaldcamp auf Sumatra, habe zerstörten Urwald gesehen, Dämme gegen Entwässerungskanäle gebaut und einen Blog geschrieben, auch ein Video aufgenommen.
Gestern hat Greenpeace die Öffentlichtkeit im Allgemeinen und Nestlé-Mitarbeiter im Speziellen auf eine Riesensauerei aufmerksam gemacht, an der sich der Konzern beteiligt: Nestlé bezieht große Mengen Palmöl von der Firma Sinar Mas, die für ihre Plantagen großflächig Regenwälder vernichtet. Damit macht sich Nestlé auch mitschuldig an der Ausrottung des Orang-Utans. Teil der Aktion war deshalb ein parallel gelaunchtes Webvideo, ziemlich blutig, aber längst nicht so blutig wie die Realität der Orang-Utans in Indonesien. Zusammenzucken ist durchaus beabsichtigt:
Nestlé hat zunächst relativ kopflos reagiert und bei YouTube Copyright-Einwände geltend gemacht. Das Video auf dem YouTube-Konto von Greenpeace UK wurde daraufhin vorübergehend gesperrt, ist aber mittlerweile wieder online. Nicht besonders clever, diese Maßnahme, und künftig als Lehrbuchbeispiel für den Streisand-Effekt in Social-Media-Schulungen zu empfehlen: Wer Informationen aus dem Internet fischt, generiert nämlich großes Interesse an genau diesen Infos. Das Webvideo ist jedenfalls talk of the town im globalen Dorf. Auf der Greenpeace UK-Seite kann man es sich derzeit auch herunterladen, um es munter weiter zu spreaden. Eine hübsche Übersicht über den Impact der Greenpeace-Kampagne im Netz gibt’s beim PR Blogger.
Heute hat man sich bei Nestlé den vorübergehend verloren gegangenen Kopf wieder auf den Rumpf gedreht. Und gibt in einer Presseerklärung zu verstehen, das Unternehmen teile – ist ja klar! – die Sorge um den Regenwald, und:
Nestlé Deutschland verwendet nur in einem geringen Volumen Palmöl und Palmkernöl bzw. daraus hergestellte Zwischenprodukte. Das Gesamtvolumen liegt in einer Größenordnung um 7.000 Tonnen pro Jahr, dies entspricht nur etwa 0,03 Prozent der weltweiten Produktion.
Nice try… Geflissentlich übergangen wird dabei jedoch, dass Nestlé seinen Palmöl-Bedarf international in den letzten 3 Jahren auf 320.000 Tonnen verdoppelt hat. Deshalb standen die Greenpeace-Aktivisten auch nicht bloß bei deutschen Nestlé-Büros auf der Matte, sondern auch vor einer Fabrik in Großbritannien und in den Niederlanden.
Greenwashing, ick hör dir trapsen
Nach dieser lauen Rechtfertigung hat Nestlé in der PE dann einen langen Liebesbrief an sich selbst abgefasst und säuselt, man decke den Palmöl-Bedarf seit diesem Jahr mit Green Palm Zertifikaten ab, die den nachhaltigen Anbau unterstützen. “Nachhaltig”, naturellement! Schließlich wird dieses Zertifizierungsssystem des Round Table for Sustainable Oil (RSPO) von einer namhaften Umweltschutzorganisationen unterstützt.
Diplomatie ist natürlich wichtig, aber es gibt Grenzen. Obi-Wan Kenobi hätte sich nicht mit dem Imperator an einen Tisch gesetzt. Nestlé aber setzt sich mit Freuden an einen Tisch mit der dunklen Seite der Macht. Da trifft man sich gemeinsam mit dem Urwaldfresser Sinar Mas zum „Round Table“. Die Meetings stehen ganz unter dem Motto „Have a break!“, effektiver Urwaldschutz wird hier jedenfalls nicht betrieben: Die Kriterien des RSPO sind viel zu lax. Sie enthalten keinen Schutz der Torfböden und keine Anforderungen zur Einsparung von Treibhausgasen. Während Nestlé und Sinar Mas ordentlich KitKat naschen, kreist die Motorsäge und steigt der Rauch aus verbrannten Wäldern.
Zudem will Nestlé die direkten Verträge mit Sinar Mas kündigen. Diese Maßnahme betrifft jedoch nur Verträge von Nestlé Indonesien und lässt die breite Palette an Verträgen mit Zwischenhändlern unberührt, die weiterhin Palmöl von Sinar Mas beziehen, in Deutschland zum Beispiel mit Cargill. Alles bliebe (fast) wie gehabt.
Wir wünschen uns von Nestlé eine Presseerklärung, die mit der Überschrift beginnt: „Nestlé kündigt Moratorium auf Urwald-Palmöl an!“ Oder wie wäre es mit der klaren Botschaft: „Nestlé wird Orang Utan-Bedrohung nicht länger tolerieren!“ Nestlé muss das Schlagwort Corporate Responsibilty ernst nehmen, die Verträge mit Sinar Mars samt und sonders kündigen und sich bei der indonesischen Regierung für ein Ende der Zerstörung einsetzen.
Ihr könnt uns mit dieser Forderung hier unterstützen!
Bei Greenpeace arbeiten neben Meeresbiologen, Chemikerinnen und Journalistinnen auch Seiteneinsteiger, die ursprünglich einmal einen Beruf erlernt haben, der mit ihrer jetztigen Tätigkeit nur wenig zu tun hat. Und das ist gut so. Zum Beispiel im Fall meiner Kollegin Susanne, die nämlich nicht nur studierte Romanistin , sondern auch gelernte Bäckerin ist. Sie verwöhnt uns gelegentlich mit selbstgebackener vegetarischer Bio-Pizza. ( Den Veganern sei an dieser Stelle gesagt, dass es demnächst auch eine vegane Variente geben wird)
Da wird die Mittagspause zum Genuß.
Das Rezept für zwei Bleche Pizza:
Für den Teig: 1kg Mehl 1050,1 Päckchen Trockenhefe, Wasser nach Gefühl,ein Schuss Olivenöl
Für den Belag: 1 Flasche Passata, Zwielbeln, Knoblauch, Paprika und Pilze, 500 g geriebener Käse
Den Teig eine Stunde gehen lassen und nach dem Belegen 25-30 Minuten backen. ( Mit Ökostrom versteht sich)
Tipps für eine vegane/vegetarische Ernährung findet ihr übrigens auch beim Vegetarierbund
Ich war Managerin in einem Hamburger Nobelhotel, als sich eines Tages Gäste über Lärm auf der Straße beschwerten. Vor dem Hotel protestierten lautstark Aktivisten und Aktivistinnen einer Tierschutzorganisation. Es waren zwar keine Aktivisten von Greenpeace, aber als ich aus dem Fenster sah und die Aktion beobachtete, dachte ich „ Ich bin irgendwie auf der falschen Seite.“ Ich war schon immer sehr naturverbunden, aber nie politisch aktiv.
Es dauerte dann noch rund ein Jahr, bis ich mich auf eine Zeitungsanzeige bei Greenpeace bewarb. Mit meiner Arbeit im Informations-und Fördererservice unterstütze ich die Kampagnenarbeit von Greenpeace - gelegentlich gegen Firmen, für die ich früher große Empfänge organisiert habe.
Eine gute Entscheidung.